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Ausstellung Hagenberg 2018

Kunst-Zeitreise in Hagenberg - Schlossverein zeigt Werke von Hermine Karigl-Wagenhofer

Eine bemerkenswerte Kunstausstellung hat der Schlossverein Hagenberg an Land gezogen: Die akademische Malerin Hermine Karigl-Wagenhofer zeigt im Zwinger der alten Burg Hagenberg seit dem Wochenende Werke zum Thema Menschen(t)räume.

Das Besondere an der Schau ist das Eingehen der Künstlerin auf die spezielle Raumsituation: Man vermeint, entlang der Bilder sich selbst von der Gegenwart quasi ins Mittelalter und in archaische Zeiten zu „beamen“. Die Ausstellung beginnt mit 20 kleinformatigen Grafiken, die an gruppendynamische Vorgänge in „Menschenräumen“ erinnern. Im Zentrum der Galerie befindet sich eine Werkgruppe, die in exquisiten Farben „Wächter“ oder „Schutzengel“ umschreibt. Schließlich steigt man über Stufen hinab in die elementaren Wurzeln der Geschichte, wo ungezügelte Energie und dumpfe Mythen herrschen. Karigl-Wagenhofer versteht es mit ihrer Sprache des Malens, feinste Farbstimmungen mit zügiger Dynamik zu verbinden. Zu dieser Bandbreite von Technik und Inhalt fand der Cellist Davide Zavatti bei der Vernissage beeindruckende musikalische Antworten, die in einer „explosiven“ Performace gemeinsam mit seinen Söhnen Luca und Marco gipfelten.

Fotos © Bettina Neubauer/Einführung: HR Dr. Paul Stepanek, Eine Zeitreise in Hagenberg. Schlossverein zeigt Werke von Hermine Karigl-Wagenhofer. In: Neues Volksblatt 22. 24. April 2018.

Ausstellung Bezirkshauptmannschaft Melk 2017

Annäherungen an das Existentielle des Menschen

Der Gemäldezyklus beruht auf einer Impulssequenz aus den Spuren Ernst Blochs. Ein Nebeneinander von Eitemperagemälden widerspiegelt assoziative Dialogformen mit einer Aneinanderreihung von inspirierenden Gedankensplittern oder Wortspielen. So heißt es: Das Geschäft erlaubt manchen Spaß, aber der Spaß konnte erst wieder zum Geschäft werden. So genau unterliegt noch das Spiel der Formen, in denen der Ernst des Lebens abläuft, man kann daraus nicht fliehen, nicht einmal in der Flucht. Der Kerngedanke der Äußerungen des Philosophen bezieht sich auf den Wechsel zwischen Heiterem und Ernstem, dem Spiel und der unabwendbaren Ernsthaftigkeit. Selbst Fluchtmechanismen scheinen bei Ernst Bloch dem fatalen Ausgang nicht entgehen zu können. Die bruchstückartigen, doppeldeutigen Sequenzen sind für mich zu einer Inspirationsquelle für das Entstehen meiner Bildwelt dieser Serie geworden. Aus dem metaphorischen Transformationsfluss ist ein Kosmos einer konstruierten Formenkulisse hervorgegangen – als Projektionsraum von Lebensbildern, als Nahtstelle zum Existentiellen.

Fotos © Sonja Dürnberger/Einführung: Dr. Alexandra Schantl

Ausstellung in der Kreuzkirche, Wien Hietzing 2017
„Perspektivenrelflexionen anlässlich der Ausstellung von Hermine Karigl-Wagenhofer in der Kreuzkirche"

Ein Leitgedanke für die Interpretation der Bilder von Karigl-Wagenhofer ist ein Zitat von Georg Wilhelm Friedrich Hegel:

„Das Licht ist diese reine daseiende Kraft der Raumerfüllung.“

Die Künstlerin arbeitet sehr bewusst mit dieser Metapher. Sie wird zur Raumveränderung eingesetzt. Es erscheinen Raum, Person und Gegenstand unter einem anderen Licht. Diese Veränderung ist zugleich eine Suche nach Transzendenz in der Wirklichkeit im Ausdruck Raum. Somit entstehen gleichzeitig neue Räume und es eröffnen sich neue Sichtweisen auf das, was wir Wirklichkeit, Leben und Beziehung nennen. In der Bildsprache der Kunst versucht die Künstlerin einen Ein-Blick in die Transzendenz zu geben. Dieser Einblick aber entsteht erst im Prozess des Malens und ist Ausdruck mittelbaren Sehens. Für den Philosophen Ernst Bloch drückt diese Vorstellung auch eine Utopie aus! Nämlich die Utopie der Hoffnung – eine Utopie, die den Menschen in seiner Endlichkeit auf das Unendliche verweist. Diese Vorstellung, diese Sehnsucht kalkuliert das Scheitern aber als Möglichkeit mit ein – es sind keine „Vertröstungsräume. Die Künstlerin will keine esoterischen Räume darstellen. Aus diesen Räumen erhebt sich die Insel Utopie aus dem Meer des Möglichen.

3 Aspekte zur Interpretation der Bilder

1. Schleier des Lebens/das Verborgene in der Natur

Die in der Ausstellung gezeigten Bilder verweisen auf Unkenntliches. – Es gibt eine gewisse Entzogenheit, ein Mysterium im Dasein des Menschen.

2. Mensch als Suchender

Der Mensch sucht in seinem Leben nach Wegen und Auswegen. Er bleibt Suchender und Fragender, dies als existenzielle Urambivalenz des Lebens. Im Betrachten der Bilder ist eine Interaktion mit dem Dargestellten intendiert.

3. Durchschreiten der Welt

Raum ist für die Künstlerin Sinnbild der Inkarnation des Lebens. Es verwirklicht sich Leben im wahrsten Sinne des Wortes „Fleischwerdung“. Die Kerben des Lebens werden in diesen Akt des Betroffen-Seins geschlagen.

Welche Lebensperspektiven werden in den ausgestellten Bildern dargestellt:

Wellen, Über- und Verwerfungen, Ebenen, Reflexe, Verdichtungen und Weiten!

Mag. Heribert Reich

Fotos © Bettina Neubauer/Einführung: Mag. Heribert Reich

Ausstellung in St. Peter an der Sperr, Wr. Neustadt 2016
„Ausstellungskonzept Wiener Neustadt" (2016)

Das Ausstellungskonzept beruht auf künstlerischen Blickperspektiven und Rauminteraktionen im gotischen Kirchenschiff. Es umfasst Bildinstallationen, die einerseits den Kontext von Malerei, Raum und Architektur, andererseits metaphorische Projektionsräume der Natur, des Reifungsprozesses des Menschen sowie der Grundfragen des menschlichen Seins widerspiegeln. Die Gemäldeensembles beleuchten Existenzielles wie auch Transzendentes in der historischen noch immer sakral anmutenden Raumkulisse. Reale und virtuelle Raumbezüge kommen zum Tragen.

Im Eingangsbereich treten die Bildtafeln Lebensphasen mit dem diametral positionierten Leporello Landschaftsbezüge in Dialog und symbolisieren das wechselseitige Durchdringen von Mensch und Landschaft in Zeit und Raum. Darüber hinaus wird das Spannungsfeld Raumerweiterungen reflektiert. Der zentrale Blick ist auf das großformatige, frei von der Lichtschiene hängende Gemälde Raumweite gerichtet, dem die Metaphorik der Raumüberschreitungen zugrunde liegt: als Eingang und Ausgang im Tormotiv, als Projektion von unbekannten Räumen, die Erahnendes, Zukünftiges, Vorstellungen des Transzendenten offenbaren. Wenngleich es von der Mitte nach links verschoben ist, nimmt es eine Schlüsselstellung ein: Es leitet zu den Metaphysischen Szenerien über. In einer erhöhten Aufstellung mittels Holzkonstruktionen in der Apsis gleichen sie einem imaginären Bilderbogen. Ihre Kompositionen, die nach freien Assoziationsimpulsen Blochs Spuren entstanden sind, suggerieren Orte jenseits des Daseins. Rechts von der Apsis stellt das Gemälde Raumstrukturen in einer Maueröffnung den inhaltlichen Übergang von der metaphysischen Sphäre zu Zwischenräumen her. Es vergegenwärtigt konkrete Momente der Raumwahrnehmung und lädt zum Innehalten ein. Das Fensterbild, eine fünfteilige Gemäldetafel in der Erweiterung des realen Fensters, bildet ein gemaltes Strukturengeflecht aus senkrechten und waagrechten Farbbahnen. In der Vertikalen verkörpert es den emporragenden gotischen Kräfteschub und im Gegenzug die Verbindung zum Substanzsein des Menschen durch die nach unten wirkende Schwerkraft. Besondere Bedeutung kommt der Lichtführung zu, die die Fensterscheiben durchdringt und die Bildflächen überflutet. Sie veranschaulicht das Zusammenfließen von Immaterialität und Materialität. Auch horizontal gehen die in den Malflächen waagrecht gesetzten Farbstreifen eine Synthese mit dem konstruktiven Bleirutenmuster ein. Die Verbindung von zwei Medien lassen ebenfalls Bezüge auf mittelalterliche Dialogformen zwischen Glaskunst und Malerei herzustellen.

Fotos © Michael Nagl/Einführung: DDr. Leopold Kogler

Ausstellung im Dokumentationszentrum St.Pölten 2016

„Raumbezüge einer Bildgalerie" (2016)
Fließende Farbströme und variierende Bogenläufe, Grafikserien mit engmaschigen Lineamenten verschmelzen mit den Architekturstrukturen des Niederösterreichischen Dokumentationszentrums für Moderne Kunst in St. Pölten. Das System der Raumflucht lässt das kontrastreiche Nebeneinander von Gemälden in Eitemperatechnik und kleinformatigen Rahmenbildern mit Papierarbeiten zu einer Einheit zusammenfließen. Während die unterschiedlichen Exponate Spannung erzeugen, beruht ihr gemeinsamer Nenner auf der Thematik einer Wechselbeziehung zwischen Natur, Mensch und seiner Umgebung.

Der Gemäldezyklus verweist zwar vordergründig in starken Farbakzenten auf abstrakte, rhythmische Bogenlinien, dennoch tritt der Mensch als Akteur verschlüsselt auf. Bei den kleinformatigen Grafiken ist der Fokus auf den Menschen bezogen, indem er Rollenbilder der Gesellschaft repräsentiert. Durch den Detailreichtum ist diese Bildergruppe insbesondere aus der Nähe zu betrachten, hingegen sind die Eitemperagemälde raumbezogen konzipiert und können beim Beschauer bei konzentrierter Auseinandersetzung Wahrnehmungserweiterungen auslösen. Die Intensität der Bewegungsläufe scheint die Abgrenzungen der Bildflächen zu sprengen: Malspuren leiten zur Bilderwand des angrenzenden Ausstellungsraumes gleich der Bewegung des architektonischen Bogensystems.

Einführung: Dr. Carl Aigner

Ausstellung Künstlerhaus Wien 2013
„Fließende Strukturen und Spuren von Räumen - Lebensläufe von Harmonie und Disharmonie" / Künstlerhaus Wien (2013)
Der Fokus der Bilderinstallation in der Künstlerhaus Galerie ist auf fließende Strukturen und Bewegungsläufe eines rhythmischen Malprozesses in Eitempera – Technik gerichtet. Sowohl auf Tafelbildern wie auch auf Bilderstelen pulsieren Farbspuren.Teils mit breiten Pinselstrichen, teils mit kraftvoll geritzten Linien thematisieren sie Lebensläufe von Harmonie und Disharmonie.

Als Leitmotiv werden sie zum übergeordneten Verbindungselement des gesamten Ausstellungsprogramms. In den Gemälden im ersten Ausstellungsraum bündeln sich die Bewegungsläufe zu Metaphern des Landschaftlichen mit Blickwinkeln in fiktive Räume. Im Gesamteindruck scheinen sie die Wände zu öffnen.

Im zweiten Teil der Ausstellung durchlaufen die signifikanten visualisierten Kraftströme die Schäfte der Säulenbilder und versinnbildlichen idealisiertes Menschliches. Charakterisiert durch ihre gesättigten Farbsysteme strukturieren die emporstrebenden Bilderensembles die Wände und akzentuieren den äußeren Rahmen des Ausstellungsraumes. Gestaltete Ecklösungen durch Bildermontagen und die freie Aufstellung von montierten Bilderobjekten ergänzen und vervollständigen das Raumprojekt, bei dem ebenfalls Anspielungen auf die Ambivalenz von Harmonie und Disharmonie zum Tragen kommen. Räume, Bilder und Stelen treten in eine Wechselbeziehung.

Ihre Abstände zueinander, gedacht als Zwischenräume, gewinnen im Ausstellungskonzept an Bedeutung. Sie stellen das Umfeld der Bilderstelen dar, werden zu Projektionsflächen und Inspirationsquellen von Landschaftsvisionen. Der Ausstellungsraum wird zum Spannungsfeld des Dialoges. Für den Betrachter eröffnen sich neue Blickperspektiven, die ihn zu persönlichen Assoziationsbildern herausfordern.

Einführung: Prof. Burghart Schmidt

Ausstellung Landhaus St.Pölten 2008
„Landschaft und Figur" / St. Pölten (2008)

Das Ausstellungskonzept definiert den Standort der Galerie des Kulturbezirkes als eine inspirierende Nahtstelle von Raum und Kunst. Es ist eine Erlebnissphäre und Plattform für Begegnungen des Betrachters mit Eitempera Bildern, Ensembles und Bilderobjekten in einer offenen Raumstruktur mit Durchblicken in die einzelnen Kojen sowie Ausblicken in die umliegende architektonische Landschaft. In dieser Raumkulisse geht es um eine Zusammenschau von traditionellen Wandbildern und den mit Bildtafeln zusammengefügten Stelen. Ihre Motivik bezieht sich auf Landschaften, Figuren und Säulenkompositionen.

Allen gemeinsam liegt das Zeichenhafte und Metaphorische zugrunde, nahezu wenige Bezüge zum Realen. Insbesondere handelt es sich um Landschaftliches in Sinnbildern, Figurales in Bewegung oder abstrakter Kontur und Scheinbares aus der Säulenmythologie. Der Betrachter wird eingeladen, in die Rolle eines Akteurs zu treten : Einblicke in innere Bildwelten zu gewinnen, Assoziationsräume zu entdecken oder in einen Farbkosmos einzutauchen.

Einführung: Dr. Alexandra Schantl

Ausstellung Lanzendorf 2000
„Metamorphosen des Raumes“ Raumgestaltung in der Filialkirche Lanzendorf / Böheimkirchen (2000)

Einerseits erscheinen in den Bildern typisierte entmaterialisierte Gestalten. Sie sind Metaphern für geistige Offenbarungen, für das Übersinnliche und Geheimnisvolle. Sie treten in Farb- und Symbolräumen auf und spielen eine Vermittlerrolle zwischen dem Daseinsbereich des Menschen und einer dem Jenseits angehörenden Sphäre. Mit ihrem Blick ins Kosmische werden sie zu inspirierenden Wesen und regen an zum Nachdenken über Sein und Werden. Andererseits handelt es sich um Bildräume, die sich von außen nach innen zunehmend verschachteln, die sich letztendlich auflösen. Der Grenzbereich des Menschlich – Erfassbaren wird übertreten. Raumüberschreitende Bewegungen bahnen diesen Weg vom Realen zum Imaginären.

Ausstellung Traismauer 2000
Ausstellung: „Zeiträume" im Niederösterreichischen Landesmuseum für Frühgeschichte, Schloss Traismauer (2000)

Einführung: Prof. Dr. Burghart Schmidt

Die Ausstellung „Zeiträume“ stellt eine Rauminstallation dar, ein Assoziationsfeld für Zeit. Sie thematisiert Zeitbegriffe, wie Linien, Bewegungen, Aufbrüche, bzw. vegetabilische Prozesse. Die Bildkompositionen weisen in ihrem Schichtenaufbau, ihren raumüberschreitenden und prozesshaften Bewegungen auf das Sein und Werden, Verharren und Vergehen sowie das menschliche Entdecken und Schaffen hin. Die Ausstellung knüpft einerseits Verbindungen zum Vergangenen und bezieht sich auf die musealen Sammlungen des Schlosses Traismauer. Andererseits lässt sie den Betrachter über das Gegenwärtige hinausschauen und durch das virtuelle Weiterfließen der Bewegungen über die Bildgrenzen hinweg in die Zukunft blicken.

Ausstellung Kirche und Karner in St. Michael 1999
Ausstellung „Bewegungsräume“ in der Wehrkirche und im Karner von St. Michael / Wachau

Einführung: Prof. Dr. Günter Rombold

Das Konzept der Bilderinstallation beruht darauf, eine Synthese zwischen der Spiritualität des Sakralraumes und den meditativen Bildern herzustellen. Markante Orte im Kirchenraum und im Karner, wie Taufbecken, Schmerzensmann und Pieta aus Totenköpfen, werden zu Ausgangspunkten der künstlerischen Gestaltung, die einen Bogen spannt von der Geburt des Menschen bis zu seinem Tod. Kraftströme in den Bildern pulsieren über den Stationen. Sie laden den Betrachter auf eine meditative Auseinandersetzung in Hinblick auf eine Reflexion über das Leben ein.